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Fragen rund um Stillen und vegane Ernährung in der Stillzeit

Vegane Mütter sind meist ziemlich gut informiert über dieses Thema und naturgemäß oft kritisch, was die gängigen "Ammenmärchen" betrifft, trotzdem geistern in Internetforen, auf Webseiten und so auch in den Köpfen vieler immer noch so einige umher. Darum geht dieses FAQ über die Thematik "vegan Stillen" hinaus und befaßt sich auch mit dem Stillen allgemein.

"Fehlen der Muttermilch nicht wichtige Nährstoffe, wenn sich die Mutter vegan ernährt?"
Nein. Auch in der Stillzeit bekommt man mit abwechslungsreicher veganer Ernährung Nährstoffe in ausreichender Menge. Doch selbst bei stillenden Müttern, deren Nahrungsversorgung nicht optimal ist (z.B. in sogenannten Dritte-Welt-Ländern) unterscheidet sich die Zusammensetzung der Muttermilch nicht von der anderer Mütter. Erst eine schwere Unterernährung der Mutter führt auch zu Verlusten der Milchqualität. Ernährt sich die Mutter tatsächlich mangelhaft, werden die für das Kind notwendigen Nährstoffe, wie in der Schwangerschaft, dem Körper der Mutter entzogen, um das Kind in ausreichender Menge versorgen zu können.

"Bekommt nicht die Mutter einen Nährstoffmangel, wenn sie stillt und sich vegan ernährt?"
Nein. Sofern sie sich abwechslungsreich ernährt und ihren Nahrungsmittelkonsum mengenmäßig anpaßt (eine stillende Mutter braucht ca. 500 kcal zusätzlich pro Tag), besteht auch hier keine Gefahr.

"Muß man als vegane Mutter in der Stillzeit Nahrungsergänzugnsmittel nehmen?"
Das ist nicht unbedingt notwendig, eine Ausnahme bildet Vitamin B12, welches durch vegane Ernährung meist nicht ausreichend zugeführt wird. Hier bieten sich angereicherte Nahrungsmittel (z.B. einige Sorten Sojamilch, Cerealien oder Säfte) ebenso an wie herkömmliche Supplemente, z.B. in Tablettenform. Wer sichergehen will, was die Kalziumversorgung angeht, kann kalziumreiches Mineralwasser und angereicherte Soja- oder Reismilch konsumieren.

"Ab welchem Alter braucht ein Kind mehr an Nahrung als nur Muttermilch?"
Hierzu gibt es ganz unterschiedliche Empfehlungen, doch entgegen derer, die von Babynahrungsherstellern verbreitet werden, sollten Babys die ersten 6 Monate voll gestillt und erst dann langsam mit anderer Nahrung bekannt gemacht werden. Hier kommt es auch auf das einzelne Kind an - manche Kinder sind mit 6 Monaten schon ganz wild auf etwas püriertes Gemüse, andere nehmen erst dann etwas anderes als Muttermilch zu sich, wenn sie in der Lage sind, Fingerfood auszuprobieren. In den meisten Fällen wissen die Kinder selbst am besten, wann sie feste Nahrung vertragen. Ein gesundes Kind sollte grundsätzlich niemals zum Essen gezwungen werden!

"Muß ich spezielle Nahrungsmittel meiden, wenn ich stille?"
Nein, sofern Tabak, Alkohol und andere Drogen für Dich nicht unter "Nahrungsmittel" laufen, mußt Du das nicht. ;-) Wohlmeinende Mitbürger lassen junge Mütter immer gern an ihrem Wissen, daß Kohl, Hülsenfrüchte, Schokolade, Zitrusfrüchte etc. beim Kind Blähungen oder einen wunden Po verursachen können, teilhaben, aber Fakt ist, daß es Babys gibt, die mit einigen Nahrungsmitteln Probleme haben und andere, die da absolut unempfindlich sind. Es liegt also an der Mutter, das herauszufinden und das am besten, ohne sich irre machen zu lassen. Nicht jede Blähung, die dem Kind entweicht, ist sofort auf den Bohneneintopf, den seine Mutter zuvor gegessen hat, zurückzuführen.

"Muß man spezielle Hygienemaßnahmen ergreifen damit das Kind an der Brust nicht mit gefährlichen Keimen in Kontakt kommt?"
Nein. Normale Körperpflege reicht vollkommen aus. Die Brust selbst sollte am besten beim Duschen nur mit klarem Wasser abgespült und hinterher nicht eingecremt werden, damit die Brustwarzen nicht zu weich und dadurch wund werden. Waschen der Brust vor jedem Stillen oder ähnliches ist vollkommen überflüssig und verkompliziert das Stillen nur unnötig. Gegen die Keime am Körper der Mutter ist das Baby über die Abwehrstoffe in der Muttermilch i.d.R. ausreichend geschützt. Sollte zwischen den Stillmahlzeiten Milch auslaufen und der BH oder die Stilleinlagen feucht geworden sein, empfiehlt es sich, diese zu wechseln.

"Was bedeutet es, 'nach Bedarf' zu stillen?"
Das heißt, nicht auf die Uhr zu sehen, wann das Kind das nächste Mal hungrig/durstig sein "darf" bzw. wann es wieder gestillt werden "darf", sondern ihm die Brust immer anzubieten, wenn es quengelt oder anders Hunger/Durst signalisiert. Dies kann, je nach der Persönlichkeit des Kindes, seiner Entwicklung (Wachstumsschub, Zahnen etc.) sehr viel öfter sein als die immer noch gern gepredigten 3 bis 4 Stunden. In vielen anderen Kulturen ist es übrigens üblich, die Kinder sehr viel öfter zu stillen als bei uns, bis hin zu mehrmals in einer Stunde, eben ganz so, wie der Bedarf des Babys gerade ist.

"Ist es nicht sinnvoll, ein Kind trotzdem schon früh an feste Zeiten zu gewöhnen?"
Da Stillen für ein Kind sehr viel mehr bedeutet als nur Nahrungsaufnahme (und gerade Durst ja sowieso keinen festen Zeiten unterliegt, auch nicht bei Erwachsenen) und der Energiebedarf je nach Entwicklung schwankt, ist es alles andere als sinnvoll, nur zu festen Zeiten zu stillen. Hat ein Kind erhöhten Energiebedarf, aber darf weiterhin nur zu "seinen" festen Zeiten trinken, wird die Milchproduktion nicht so gut angekurbelt und kann damit nicht viel mehr an Energie liefern, als wenn das Kind öfter trinken und damit an der Brust mehr Bedarf signalisieren kann. Jedes Mal, wenn ein Kind an der Brust trinkt, "bestellt" es quasi schon seine nächste Mahlzeit. Und je nachdem, wie lange der Abstand zur letzten Stillmahlzeit war und wieviel getrunken wurde, wird in der Brust schneller/langsamer und mehr/weniger Milch produziert. Muttermilch liefert nicht nur Energie, Stillen bedeutet für ein Kind auch Geborgenheit, sich geliebt und angenommen fühlen, Sicherheit, Nähe und Trost. Und das sollte es sowieso nicht nur zu festen Zeiten geben.

"Woher weiß ich, ob mein Kind auch wirklich genügend Milch bekommt?"
Als Faustregel gilt: wenn das Kind (in den ersten Lebenswochen) mind. 5-6 volle (nasse) Windeln pro Tag hat, bekommt es genügend Flüssigkeit. Die meisten Kinder spüren zudem selbst sehr genau, wieviel Milch sie brauchen, ein gesundes Kind signalisiert seiner Mutter i.d.R. recht deutlich, wenn es noch/wieder hungrig ist, und sollte dann eben öfter angelegt werden (siehe letzte Frage "Stillen nach Bedarf"). In Zweifelsfällen helfen Stillberaterinnen der La Leche Liga, des AFS oder des BDL (Kontaktmöglichkeiten siehe Linkliste) gern weiter und beraten auch, ob evt. wirklich noch Milch zugefüttert werden muß (was in den seltensten Fällen notwendig ist).

"Sollte man die Brust beim Stillen nicht besser etwas eindrücken, damit das Baby auch richtig atmen kann?"
Dies wird immer wieder von Frauen der heutigen Großelterngeneration empfohlen, gilt aber als überholt. Die Nase eines Babys ist vorne so breit, daß es auch an einer vollen Brust genügend Luft bekommt, sollte dies nicht der Fall sein, sollte man die Brust nicht eindrücken (damit drückt man auch die Milchgänge ein, was zu Milchstaus und Brustentzündungen führen kann), sondern das Kind einer leicht geänderten Lage noch einmal anlegen.

Auf den in der Linkliste genannten Webseiten gibt es noch viele weitere Infos und Tips rund ums Stillen, in der Literaturliste einige Buchempfehlungen zum Thema. Sollte in diesem FAQ eine wichtige Frage fehlen, freuen wir uns über Emails. :-)

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von Tanja Mueller (Datum: 20. April 2007)
Freitag, 18. Mai 2012